Basale Kommunikation nach Winfried Mall®

Kommunikation ohne Voraussetzungen
mit Menschen mit schwersten Beeinträchtigungen

Fragen und Antworten


Frage:

Im Rahmen meiner Ausbildung schreibe ich momentan an meiner Facharbeit mit dem Thema Basale Stimulation. Nun bin ich zufällig auf ihr Konzept der Basalen Kommunikation gekommen und stelle mir die Frage, was der wesentliche Unterschied zwischen ihrem Konzept und dem von Andreas Fröhlich ist. Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen, da ich bisher zwar Bücher und Artikel von Ihnen habe, aber dennoch diese Frage stelle. Denn so sehr unterscheiden sich beide Konzepte doch nicht, da das eine nicht ohne das andere kann und beide aufeinander aufbauen. Oder liegt der wesentliche Unterschied bei der Atmung?

Antwort:

Sie haben natürlich recht: Die beiden Konzepte sind nicht weit von einander weg, und in der Praxis gehen sie in einander über. Was Basale Kommunikation als Eigenes bringt, ist eben die Entdeckung, dass der Atemrhythmus auch eine Begegnungsebene und ein Kommunikationsmedium sein kann, wenn man entsprechend "rhythmisch", dialogisch, sensibel damit umgeht. Damit lässt sich sehr gezielt der Aspekt der Kommunikation verwirklichen, der in der Basalen Stimulation zwar sehr zentral heraus gestellt, methodisch m.E. aber eher unklar vermittelt wird.

Einen weiteren Unterschied sehe ich in den Entstehungshintergründen und in Fragen der persönlichen Haltung: Basale Stimulation kommt nach wie vor eher als "Therapie-" und "Förder-" Konzept daher, mit der entsprechenden Rollenverteilung "Therapeut"-"Patient" oder "Lehrer"-"Schüler", während Basale Kommunikation erst mal nichts anderes will, als Kommunikation zu ermöglichen, um dann gemeinsam zu schauen, was "Thema" ist bzw. "wohin die Reise geht", und somit einen konsequent partnerschaftlichen Zugang zu verwirklichen sucht. Sie ist auch offen dafür, dass (erst einmal oder auf Dauer) "nichts anderes" passiert als einfach nur Begegnung und Kommunikation, gerade z.B. bei sehr schwer beeinträchtigten Leuten, bei Menschen im Wachkoma oder mit fortgeschrittener Demenz oder in der Sterbebegleitung. Allerdings hindert einen niemanden daran, auch mit der Basalen Stimulation eine solche Haltung zu pflegen, so dass es weniger ein theoretisch-konzeptioneller Unterschied als einer der Mentalität und der Haltung ist.

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Frage:

Ich bin ein Schüler der Heilerziehungspflege. Wir haben gerade das Thema "Beziehung gestalten und Gruppenprozesse begleiten". Ich habe mich entschieden, ein Referat über Basale Kommunikation vorzutragen. Ich habe schon einiges Im Internet gefunden. Ich hätte aber doch einige Fragen an Sie und wäre sehr erfreut, wenn Sie mir darüber ein bisschen Auskunft geben könnten.

  1. Gab es irgendwelche Kritik am Einsatz Ihrer Methode (seitens von Einrichtungen oder Wohnheimen)? Wenn ja , wie hat diese sich geäußert?
  2. Kann man Basale Kommunikation auch im Wasser durchführen (Schwimmbad, etc,...)?
  3. Verknüpfen Sie Basale Kommunikation zusätzlich noch mit anderen Kommunikationsformen (z.B. Snoezelen, Körpersprache, etc...)?
  4. Was sind die meisten Fehler, die am Anfang bei einer Person gemacht werden, um mit ihr Basale Kommunikation durchzuführen?

Antwort:

Ich will sehen, was ich auf Ihre Fragen antworten kann:

  1. Gab es irgendwelche Kritik am Einsatz Ihrer Methode (seitens von Einrichtungen oder Wohnheimen)? Wenn ja , wie hat diese sich geäußert?

Mein erster Chef (Alexander Sagi) war der festen Meinung, so dürfe ein erwachsener Mann nicht mit z.B. einer erwachsenen Frau (egal, wie schwer behindert) umgehen (wobei dann die Frage ist: Warum bei Kindern?). Er hat auch verhindert, dass mein Buch in seiner "Schriftenreihe zur Heilpädagogischen Übungsbehandlung" erscheinen konnte, wie ursprünglich geplant.

Und bei einem Kongress, als ich ein Video zeigte, bei dem es zu einem sehr schönen Kontakt (gar nicht so körpernah) mit einem autistischen jungen Mann kam, meinte ein Zuschauer, das sei sexueller Missbrauch. Alle andern, die sich danach geäußert haben, konnten das nicht nachvollziehen.

Wenn jemand Mühe hat, Körpernähe zuzulassen, aber nicht das als "seine" Geschichte annehmen kann, sondern es verallgemeinern muss, muss er evtl. solche Umgangsweisen ablehnen (statt: "Ich kann das nicht." heißt es dann: "Das darf man nicht!"). Dabei sollte man das Thema "Sexueller Missbrauch" sicher sehr bewusst anschauen. In meinem Buch habe ich ja einige Gedanken dazu geschrieben.

Sicher wird eine kritische Haltung auch oft einfach durch Ignorieren gezeigt - wobei es da eben zu keiner Sachauseinandersetzung kommen kann. Ich vermute, dass dabei wieder eher die oben geschilderten, persönlichen Aspekte eine Rolle spielen. Dabei stelle ich immer klar, dass nur jemand mit Basaler Kommunikation umgehen sollte, für den das auch persönlich passt. Man kann und sollte sich nicht dazu zwingen, weil das ohnehin nicht geht, sondern nur ein Krampf werden kann. Es kann auch kein Chef seinen Leuten "befehlen", Angebote dieser Art zu machen. Schon bei meinen Kursen ist mir sehr wichtig, dass die Teilnehmer sich aus völlig freien Stücken der Erfahrung aussetzen.

Ich las auch schon mal die Kritik, die Wirksamkeit dieser "Methode" sei wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Das stimmt natürlich in einem strengen Sinn, aber ich glaube, das geht auch kaum. Dazu realisiert sich Basale Kommunikation viel zu individuell. Und dass es immer wieder ganz eindrückliche Veränderungen anstößt, ist wohl unbestritten. Aber auch wenn nicht: Solange sich damit schöne Begegnungen gestalten lassen, bin ich voll zufrieden.

In der wissenschaftlichen Fachwelt - so habe ich den Eindruck - gibt es wenig eigene Auseinandersetzung mit der Thematik. Dafür, so meine Vermutung, sind vielleicht die Lehrenden selbst oft zu weit von der Praxis weg, denn für eine inhaltliche Auseinandersetzung wäre es nötig, erst einmal selbst zu erleben, wie das so geht und sich anfühlt, und zu neuer Theoriebildung gibt das Thema wohl nicht so viel her. Meist werden deshalb meine Aufsätze und Darstellungen referiert und gelobt (was mir recht ist), oder Studenten schreiben Referate und Facharbeiten darüber (und fragen dann mich, so wie Sie, was mir auch recht ist), oder sie laden mich ein, selbst zu referieren oder mal ein Praxisseminar dazu zu machen (was mir noch lieber ist).

  1. Kann man Basale Kommunikation auch im Wasser durchführen (Schwimmbad, etc,...)?

Wenn es in der Art wie das "Wasser-Snoezelen" gestaltet ist (z.B. in einem Whirlpool, wo man auch bequem sitzen kann), kann ich mir das vorstellen, oder gemeinsam in der Badewanne (wenn das möglich ist und passt). In einem größeren Schwimmbecken wird es - denke ich - schwierig, jemandem so nah zu kommen, dass man gegenseitig den Atem spüren kann. Ich habe da aber keine Erfahrung. Allerdings kann ich auch ohne Einbezug des Atemrhythmus sensibel mit dem andern umgehen, dass er sich mit mir verbunden spürt.

  1. Verknüpfen Sie Basale Kommunikation zusätzlich noch mit anderen Kommunikationsformen (z.B. Snoezeln, Körpersprache, etc...)?

Aber sicher - alles, was möglich ist (wenn auch nicht unbedingt alles auf einmal). Ich sehe Basale Kommunikation (wenn es sich harmonisch und entspannt gestaltet, was es nicht notwendig tut) als eine Art Snoezelen, ohne Material, nur Körper mit Körper, Mensch mit Mensch. Und überhaupt, alles, was der andere von sich gibt, ist Anlass, darauf zu antworten, damit zu spielen, darauf zu reagieren. Und ich setze gern alles ein, was ich so "drauf" habe, wie Elemente aus der Baby-Massage, aus der Gestalttherapie nach Besems, usw. Basale Kommunikation ist keine abgegrenzte "Methode", sondern eher eine Gestaltungsmöglichkeit für Kommunikation, die eben auch den Atemrhythmus als Begegnungsebene einbezieht. Das kann allein für sich stattfinden, aber auch beim Snoezelen, im Rahmen von Basaler Stimulation, von Krankengymnastik, von Körperpflege, beim Nahrung Geben, usw.

  1. Was sind die meisten Fehler, die am Anfang bei einer Person gemacht werden, um mit ihr Basale Kommunikation durchzuführen?

Da habe ich jetzt keine systematische Übersicht. Ich denke, eine Gefahr ist, dass man es eben als "Methode" versteht, die man jetzt "nach Lehrbuch" durchführt. Das kann nie wirklich gelingende Kommunikation geben - so wenig wie eine Mutter, die mit ihrem Baby spielen will, dies "nach Lehrbuch" machen kann (auch wenn es in Büchern gute Anregungen geben mag). Die Intuition, das Spielerische, Absichtslose ist ganz wichtig, und das spürt der behinderte Partner sicher ganz genau.

Ein Fehler ist bei einigen (behinderten) Leuten auch, wenn man ihren Vorbehalten gegenüber Nähe zu rasch nachgibt (Thema Ambivalenz). Es ist oft wirklich ein "Werben" um den andern nötig, ein beharrliches, wenn auch geduldiges Dranbleiben, das den andern natürlich nicht zwingt, aber ihn dennoch überzeugen will, dass es sich lohnt, sich zu öffnen. Das heißt auch Grenzen zu testen, zu riskieren, dass man mal vielleicht übers Ziel hinaus schießt und sich dann korrigiert, dem andern liebevoll etwas zuzumuten, gleichzeitig kritisch zu reflektieren, was man da so tut, und feedback von andern zu suchen. Mir kommt da immer wieder die Parallele zu einem Flirt in den Sinn...

  • Ich hoffe, dass Sie meine Fragen verstehen und sie nicht als lästig empfinden. Ich würde mich auf eine Antwort freuen.

Solche Fragen regen mich immer wieder selbst an, neu nachzudenken. So lerne ich dazu. Vielen Dank! - Ich habe allerdings jetzt recht spontan geantwortet, deshalb bitte ich Sie, nicht jede Formulierung auf die Goldwaage zu legen. Wenn etwas unklar geblieben ist, fragen Sie ruhig weiter.

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Frage

Im Rahmen meiner Ausbildung zur schulischen Heilpädagogik habe ich Auszüge aus einer Vorlesung von Ihnen in Freiburg 2002 zur Kommunikation ohne Voraussetzungen und einen Beitrag zum Thema Sensomotorische Lebensweisen gelesen. Ich fand es sehr interessant vor allem auch im Bezug auf meine Arbeit als Reitpädagogin für Heilpädagogisches Reiten. Haben Sie Ihr Konzept mit Reiten in Verbindung gebracht? Das würde mich sehr interessieren. Es würde mich freuen, wenn Sie mir weiterführende Literatur oder jemanden angeben könnten, der oder die zu diesem Thema schon etwas gemacht hat.

Antwort

Da ich bisher mit Pferden überhaupt nichts "am Hut" hatte, kann ich auf keine eigenen Erfahrungen oder darauf bezogene Literatur verweisen. Ich kann lediglich versuchen, mich in entsprechenden Situationen hinein zu denken.

Ich stelle mir vor, wenn ein Mensch auf einem Pferd ist, erlebt er dessen Eigenbewegung und -rhythmus als so dominierend, dass er sich fast notwendigerweise dem anpasst. Dabei ist dieser Einfluss des Tieres nicht fordernd (wie oft der von uns Menschen), sondern einfach selbstverständlich, nach dem Motto: "Entweder du passt dich mir an, oder du lässt es.", wobei das Pferd vermutlich auch sensibel den Menschen auf seinem Rücken spürt und wahrnimmt, wie weit sich dieser darauf einlässt.

Auf diese Weise findet sicher eine Art basaler Kommunikation zwischen Pferd und Mensch statt, wenn diese auch eine andere Qualität haben dürfte (vor allem, was die Differenziertheit der Gestaltung angeht) als zwischen zwei Menschen.

Unter dem Aspekt sensomotorischer Erfahrungen fordert das Reiten ganz sicher ein Sich-Einlassen auf eine fremde Bewegung, auf einen anderen Rhythmus, so dass auf diese Weise innerhalb des Themas "Sich in Bewegung erleben" das Moment der Akkommodation "erzwungen" wird.

Das fällt mir so auf die Schnelle dazu ein. Ob es Ihnen weiter hilft, müssen Sie sehen. Falls Sie sich mehr von mir erhoffen, melden Sie sich gerne wieder.

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Frage

Im Rahmen des Psychomotorik Unterrichts hatten die SchülerInnen (in der Ausbildung zur/zum Heilerziehungspfleger/in) Gelegenheit, sich die von Ihnen auf CD dokumentierte und kommentierte Basale Kommunikation mit 'Bruno' anzusehen. Das Interesse daran war so groß, dass danach der Wunsch entstand, Ihnen zu dem Bildmaterial noch ein paar Fragen zu stellen:

  • Wie lange dauerte eine Begegnung mit Bruno durchschnittlich?
  • Wie verlief die allererste Begegnung/ Übung?
  • Konnten die MitarbeiterInnen die Übungen später auch übernehmen?
  • Wie ging es mit Bruno weiter?

Antwort

  • Wie lange dauerte eine Begegnung mit Bruno durchschnittlich?

Ca. 15 - 20 min.

  • Wie verlief die allererste Begegnung?

Ich begrüßte Bruno, bat ihn mitzugehen und ging mit ihm in einen separaten Raum in der Wohngruppe, wo eine Matte am Boden lag und wir ungestört gewesen wären. Ich setze mich auf die Matte und forderte Bruno auf, sich auch hinzusetzen. Er setze sich, stand aber sofort wieder auf und ging zurück an seinen Platz auf dem Sofa. - Bei der nächsten Begegnung blieb ich bei ihm, setzte mich später hinter ihn auf die Sofalehne; von da an entwickelten sich die Begegnungen ähnlich wie die eine Begegnung, die die Fotos zeigen.

  • Konnten die MitarbeiterInnen die Übungen später auch übernehmen?

Im Prinzip schon. Allerdings verließ ich nicht mal 3 Monate später die Einrichtung; eine Kollegin übernahm die weitere Beratung des Teams. Dabei spielten sicher ähnliche Angebote auch eine wichtige Rolle. Sie erzählte mir später, dass Bruno sich weiter geöffnet hatte und viel mehr Interesse an seiner Umwelt zeigte.

  • Wie ging es mit Bruno weiter?

Inzwischen ist Bruno schon etliche Jahre verstorben (ich kenne die Todesursache nicht).

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Frage

Ich bin in der Ausbildung zum Heilerziehungspfleger. Heute war in einer Blockwoche Basale Kommunikation das Thema, und ich finde es sehr ansprechend. Was mich etwas befremdet, warum bedarf es dazu einer (kostenpflichtigen?) Lizenzierung?

Antwort

Das mit der Autorisierung hat folgenden Hintergrund: Ich möchte nicht, dass jeder, der etwas über Basale Kommunikation gelesen und vielleicht auch ausprobiert hat, hingeht und versucht, diese Umgangsweise an andere zu vermitteln. Dazu gehört meines Erachtens einfach ein breiterer Hintergrund, so in etwa mit den Voraussetzungen, die ich genannt habe. Z.B. möchte ich nicht, dass ein Lehrer in einer HEP-Ausbildung nach Lektüre meines Buches einfach so zu seinen Schülern sagt: Kommt, jetzt zeige ich euch mal, wie Basale Kommunikation geht, setzt euch mal alle zu zweit hin und atmet mit einander (vereinfacht ausgedrückt; aber das ist wohl schon so ähnlich vorgekommen). Dazu ist die Geschichte zu heikel, kann zu sehr unter die Haut gehen, und deshalb möchte ich sicher stellen, dass dieser Lehrer auch einen entsprechenden Hintergrund hat, wenn er Basale Kommunikation vermitteln will. (Von Kosten ist da erst mal nicht die Rede, ich habe auch keine entsprechenden Pläne). Nachvollziehbar? - Die Autorisierung hat nichts damit zu tun, ob und wie man Basale Kommunikation in seiner Arbeit anwendet; es geht mir nur um die Frage der Weitervermittlung.

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Frage

Ich habe bei Ihnen die Fortbildung "Mit dem Körper sprechen lernen" besucht. Ich konnte für mein tägliches Tun einiges mitnehmen, d. h. habe in meiner Assistenz neuen Zugang zu meinem Partner gewonnen. Zusätzlich bin ich als Referent in Sachen "Klangmassage" tätig und vermittle - ähnlich wie in der Basalen Stimulation - einen "Zugang" bzw. ein Medium, das uns in der Kommunikation mit Menschen hilfreich sein kann.

Ich entnahm Ihrer homepage die Information, dass es möglich wäre, unter bestimmten Voraussetzungen, das Konzept der Basalen Kommunikation nach Winfried Mall auch dritten Personen näher zu bringen.

Antwort

Hinter der Idee einer Autorisierung steht mein Wunsch, dass das, was jemand unter der Bezeichnung "Basale Kommunikation nach Winfried Mall" an andere vermittelt, sich auch in etwa mit dem deckt, was ich mir darunter vorstelle. Folgende Voraussetzungen habe ich dazu zusammengestellt:

  1. Mindestens 10 Std. Selbsterfahrung in einer körperorientierten Therapiemethode (z.B. Funktionelle Entspannung, Konzentrative Bewegungstherapie, Atemtherapie nach Middendorf, Alexander-Technik, Eutonie) bzw. entsprechende Erfahrungen.

Das halte ich von daher wichtig, dass du in der Lage bist wahrzunehmen, was sich bei den Teilnehmern eines Seminars so tut, wenn sie intensive Erfahrungen auf Körperebene machen. Du weißt ja nie im Voraus, was du da auslöst, und solltest zumindest in der Lage sein zu sehen, wenn jemand Probleme bekommt, und damit umgehen können. Aber auch schon, um die Selbsterfahrungsangebote entsprechend einfühlsam gestalten zu können, sind solche Hintergrunderfahrungen wichtig. - Du kannst diesen Punkt mit Teilnahmebescheinigungen nachweisen.

  1. Teilnahme an einem Fortbildungsseminar zur Einführung in Basale Kommunikation unter autorisierter Leitung.

Das hast du bereits ja mit dem genannten Kurs absolviert.

  1. Anwendung von Basaler Kommunikation mit einem Partner, der den genannten Zielgruppen angehört, über mindestens 10 Begegnungen (Nachweis durch Protokolle und Video-Demonstration einer solchen Begegnung), mit Reflexion des Verlaufs.

Wenn du anderen Basale Kommunikation als Angebot für schwer beeinträchtigte Menschen vermitteln möchtest, solltest du auch Erfahrung haben, wie sich diese Umgangsweise in der Praxis gestaltet, und ich würde gern selbst erleben, wie dies bei dir tatsächlich aussieht. Dabei kann ich, denke ich, erkennen, bzw. kann mit dir darüber reflektieren, ob du wirklich verstanden hast, worum es geht. (Am liebsten würde ich einmal selbst Basale Kommunikation als passiver Partner mit dir erleben und spüren, wie du es umsetzt.)

  1. Durchführung einer Unterrichts- oder Fortbildungsveranstaltung zur Vermittlung von Basaler Kommunikation, die vor- und nachbesprochen wurde.

Hier möchte ich gern mit dir, wenn du vorhast, Basale Kommunikation weiter zu vermitteln, zuvor besprechen, wie du im Einzelnen planst vorzugehen, sowie hinterher zu reflektieren, wie es gelaufen ist. Am liebsten wäre ich natürlich dabei, aber das wird sich nicht so einfach machen lassen.

Wenn du also die Autorisierung willst, weist du mir am besten zunächst deinen "körpertherapeutischen" Hintergrund nach, sowie die dokumentierten Kontakte mit Hilfe von Basaler Kommunikation mit beeinträchtigten Menschen (Protokolle, ein oder zwei Videos von Begegnungen). Die Reflexion darüber kann ja per e-mail laufen. - Wenn du dann ein Seminar planst, in dem du Basale Kommunikation vermitteln willst, stimmen wir uns zuvor über dein Vorgehen ab und tauschen uns anschließend darüber aus, wie es gelaufen ist. Vielleicht könnten wir uns dazu mal treffen. Wenn ich dann mit allem zufrieden bin, stelle ich dir ein Zertifikat über die Autorisierung aus.

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Frage

Ich möchte gerne wissen, ob es zu Ihren Veröffentlichungen auch ein Video gibt ? Wenn ja, wo und wie könnte ich es erwerben?

Antwort

Es gibt bisher leider kein Video über Basale Kommunikation, das den Ansatz darstellt. Ich habe lediglich unkommentierte Aufnahmen von Begegnungen mit behinderten Menschen, die ich aber nicht einfach aus der Hand geben will und darf.

Hier auf meiner homepage finden Sie eine Fotoserie ("Bruno") mit Kommentaren, die Sie auch Diashow mit von mir gesprochenem Kommentar im Video-Format (*.wmv - 13.6 MB). Dann gibt es noch ein Interview mit mir als Video zum Herunterladen (*.mpg - 398 MB) oder hier Anschauen.

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Frage:

Ich besuchte Ihr Seminar "Basale Kommunikation". Erst einmal möchte ich mich bei Ihnen bedanken. Mir wurde ein Weg, wohl der beste, gezeigt, um meine Klienten mit schweren körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen dort abzuholen wo sie sind, um mit ihnen dann Stück für Stück einen gemeinsamen Weg weiterzugehen.

Sie haben uns im Seminar die Geschichte vom Karl vorgelesen, eine Geschichte, die mich sehr beeindruckte, und über die es viel nachzudenken gab. Jetzt habe ich sehr oft Praktikanten und Schüler in meiner Gruppe, und möchte Ihnen so gern die Geschichte vom Karl vorlesen und mitgeben, damit sie diese auch ihren Bekannten vorlesen können. Das ist, glaube ich, höchst notwendig in unserer "Wegsehen und nicht nachdenken und nur sehen wie man selbst vorankommt"-Zeit. Ich habe schon sehr viel im Internet gesucht, kann die Geschichte aber nicht finden. Könnten Sie mir vielleicht mitteilen wie oder wo ich diese bekommen kann?

Antwort

Die Geschichte von Karl war das erste Kapitel meines Buches "Kommunikation mit Menschen mit schwerer geistiger Behinderung" in den früheren Auflagen. Hier auf meiner homepage können Sie die Geschichte von Karl und auch Annas Geschichte herunter laden, die ich inzwischen für diesen Zweck einsetze.

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Frage

Sie bauen in ihrer Argumentation auf die primäre Kommunikationsstiuation in der Mutter-Kind-Symbiose als Basis für die Entwicklung von Urvertrauen. Bei Störung oder Verhinderung dieser Erfahrung kann Urangst entstehen und eine autistische Entwicklung ausgelöst werden. Nun haben aber neue Erkenntnisse in der Säuglingsforschung ( u.a. Stern, Dornes) gezeigt, dass es eine Mutter-Kind-Symbiose normalerweise gar nicht gibt, im Gegenteil eine solche erst bei gestörtem Gleichgewicht entstehen kann ...

Das verunsichert mich und bringt mich in eine verzwickte Lage. Kann dieser Widerspruch irgendwie aufgelöst werden - oder sehe ich einen, wo es gar keinen gibt?

Antwort

Kleben Sie nicht zu sehr an Worten. - Was Stern als Entstehen der ersten Bindung beschreibt, ist doch genau das, was ich mit der primären Kommunikation meine. Ich habe den Begriff "Symbiose" angelehnt an Margret Mahler benutzt, und die ist natürlich schon eine Weile nicht mehr so aktuell. Sie können statt dessen auch von der ersten Bindung sprechen.

Was Sie bzgl. Symbiose erwähnen, dass sie nur bei eine gestörten Gleichgewicht entstünde, meint sicher die Auffälligkeit, dass dieses enge Auf-einander-bezogen-Sein auch in einem Alter anhält, in dem es schon überwunden sein sollte. Da würde auch Mahler Ihnen Recht geben.

Worauf es mir ankommt: Ein Mensch kann erst in eine Wechselseitigkeit zu seiner Umwelt (Assimilation-Akkommodation) treten, wenn er erlebt hat, dass es diese Wechselseitigkeit auf eine befriedigende Weise überhaupt gibt. Ur-Vertrauen meint: Ich äußere mich, und da kommt eine Antwort, die mir passt. Wenn ich ein Bedürfnis habe, wird dies erkannt und gestillt. Wenn ich leide, tröstet mich jemand. Wenn ich friere, wärmt mich jemand. Wenn ich Hunger habe, gibt mir jemand zu essen/trinken. Wenn ich mein inneres Gleichgewicht verliere, hilft mir jemand mit Wiegen, Schaukeln, Singen, Streicheln, ..., wieder in Ruhe zu kommen. All diese Erfahrungen bilden die Basis, die es mir ermöglicht, mich dieser ganzen fremden Welt zu öffnen, meinen Körper und meine Sinnesorgane mit ihr auseinander zu setzen, auf Entdeckung zu gehen, Regelmäßigkeiten zu erkennen und so meine Absichten immer "ausdrücklicher" ins Spiel zu bringen. (Schauen Sie doch mal in dem entsprechenden Bereich meiner Website, in dem das Konzept der "Sensomotorischen Lebensweisen" vorstellt wird.)

Und an diese Ur-Erfahrung von Wechselseitigkeit versuche ich mit der Basalen Kommunikation wieder anzuknüpfen.

Verwirrung geklärt? Ich hoffe es.

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Frage

Im Heft "Wachkoma und danach" 4 von 2002, schreiben Sie über die basale Kommunikation. Sie beziehen sich auf einen frühren Artikel in dieser Zeitschrift, da jene 2002 Ausgabe jedoch die erste war die ich bezog, kenne ich ihn nicht. Können Sie mir näheres zu Ihrem Vorgehen mitteilen, bzw. andere Veröffentlichungen nennen?

Ist Ihre basale Kommunikation vergleichbar mit dem basalen Dialogaufbau nach Zieger?

Ich interessiere mich für diese basale Kommunikation, da ich mit Wachkomapatienten gearbeitet habe und nun eine wissenschaftliche Arbeit zu diesem Thema anstrebe.

Antwort

Sie finden den entsprechenden Artikel im *.pdf-Format auf meiner homepage, ebenso wie weitere Informationen über Basale Kommunikation.

Den "basalen Dialogaufbau nach Zieger" kenne ich bislang nicht. Über Informationen dazu wäre ich dankbar, auch sonst würde mich ein fachlicher Austausch zur Thematik freuen.

Frage

Erst mal vielen Dank für die Informationen und den Artikel. Meine Vorstellungen und Vorgehensweisen sind Ihren ungemein ähnlich. Bei der praktischen Arbeit stellte sich doch ab und zu die Frage ob das Vorgehen wirklich besser als anderes sei. Rein gefühlsmäßig bin ich immer noch davon überzeugt (schließlich will ich es nun in meiner wissenschaftlichen Arbeit theoretisch und praktisch untermauern). Jedoch Ärzte sind mit Gefühlen wenig zu überzeugen, dazu kommt noch, dass in der Frühreha Spontanremissionen doch zum Glück auch vorkommen.

Der "Dialogaufbau nach Zieger" ist an sich nicht seine Erfindung, doch in Deutschland hat Andreas Zieger, Oberarzt am evang. Krankenhaus in Oldenburg, am meisten zu diesem Thema veröffentlicht. Allerdings sind seine Daten Einzelfälle und oft Komapatienten. Artikel von ihm sind z.B. in Lipp/Schlaegel (Hrsg.)"Wege von Anfang an" oder "Neue Forschungsergebnisse und Überlegungen im Umgang mit Wachkoma-Patienten" in Rehabilitation 37 (1998) 167-176.

Antwort

Die Literatur von Herrn Zieger habe ich mir gleich besorgt und werde sie in nächster Zeit lesen. Ich bin gespannt!

Ich denke, mit einem "streng" empirischen Vorgehen stößt ein Wirkungsnachweis in dieser Situation schon prinzipiell an Grenzen, da man immer einwenden kann, man wüsste ja nicht, ob die Verbesserung nicht sowieso eingetreten wäre. Ich will auch Umgangsweisen wie die Basale Kommunikation gern von der Veränderungszentrierung befreien: Es geht nicht in erster Linie darum, dass sich der Zustand des Patienten "verbessert", sondern darum, dass es ihm besser geht, dass er sich wohler fühlt, und - vor allem - dass ich als Kontaktperson erleben kann: Ich erreiche diesen Menschen, komme mit ihm in einen Austausch. Ich halte das auch für sinnvoll, wenn sich ansonsten gar keine Veränderungen einstellen. - Wenn ich in einen wirklichen Dialog mit dem Patienten eintreten will, darf ich nicht schon mit vorgefertigten Absichten kommen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir es letztlich dem Patienten überlassen müssen, ob und wie er seinen Zustand verändern will/kann.

Wenn Sie schreiben:

>Meine Vorstellungen und Vorgehensweisen sind Ihren ungemein ähnlich.>

bin ich natürlich neugierig, wie das bei Ihnen konkret aussieht. Könnten Sie mir da mal Näheres schildern?

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Frage

Folgende Vorgehensweise habe ich mit einer Kollegin in der Früh-Rehabilitation erarbeitet:

Wir nahmen uns für wenige auserwählte Patienten die Zeit, zu zweit zu arbeiten. Dabei saß ich meist im Fersensitz hinter der Person mit Wachkoma, da ich gut über lange Zeit knien kann. Die Person lehnte an mir und dadurch konnte ich meist schnell Aufregung beim Atmen entdecken und durch Kontaktatmung wieder in den Normalzustand bringen. Meine Kollegin saß vor der Person und baute wenn möglich Augenkontakt auf bzw. bot Anregungen, auf jeden Fall beobachtete Sie genau. Wir stellten fest, dass wir, je weniger wir anboten, umso eher "Erfolg" hatten, wenn man es so nennen will. Klappte etwas nicht, war es meine Aufgabe, aus Sicht des Patienten mögliche Schwierigkeiten anzusprechen.

Allgemeiner will ich mein Vorgehen so beschreiben:

Zur Schaffung eines großflächigen Kontaktes, setzt sich die Therapeutin so hinter den Patienten, dass er sich mit dem Oberkörper an sie lehnen kann. Je nach bestehenden körperlichen Einschränkungen wird die Sitzposition angepasst, sodass keine Schmerzen entstehen. In dieser Position wird ruhig auf mögliche Veränderungen des Betroffenen geachtet und die Therapeutin reagiert auf diese in kommentierender oder beruhigender Art. Kommentieren heißt in diesem Fall auch, dass Veränderungen evtl. verstärkt oder mit Unterstützung wiederholt werden. Erst nach einigen Wochen werden bei fehlenden Veränderungen kleine, neue Impulse eingebracht, z.B. besonderes Streichen der Arme und Hände.

Übrigens denke ich, dass eine Überprüfung von Therapien auf Effekte schon wichtig ist. Zum einen um Argumente für eine Bezahlung zu haben (ich wundere mich, dass Sie diese Therapien gezahlt bekommen, oder läuft es nicht über die Krankenkasse?). Zum anderen, weil in der Psychotherapie schon verschiedene Therapien als gut verkauft wurden und sich später herausstellte, dass sie sogar schädlich waren.

Hoffe, dass ich Ihnen mehr Einblick in mein (bzw. ist es doch auch Ihr Vorgehen?!?) Vorgehen geben konnte.

Antwort

Das klingt nicht sehr weit weg von Basaler Kommunikation, wobei der Unterschied, den ich herauszuspüren meine, gar nicht so leicht zu beschreiben ist:

In mir stäubt es sich immer gleich ein bisschen, wenn das Vorgehen einen sehr "Ziel-orientierten" oder gar "technischen" Eindruck macht (wobei das nicht unbedingt daran liegt, wie Sie mit der Patientin umgehen mögen, sondern eher wie es beschrieben wird). Mir liegt absolut viel daran, ohne feste Zielvorstellung in eine Begegnung zu gehen; d.h., das einzige Ziel ist, Begegnung erlebbar zu gestalten, möglichst bei beidseitigem Wohlbefinden. Ich habe dann natürlich schon auch Leitideen dabei, die ich einbringe, so z.B. unnötige Spannung abzubauen - eine möglichst symmetrische, entspannte Körpererfahrung zu ermöglichen - usw. Aber es sind zunächst meine Ideen, und ich versuche bewusst, sie dem andern lediglich anzubieten, dabei aber auch auf jede Regung von ihm zu antworten, die vielleicht ganz andere Themen ins Spiel bringt.

Ein anderer Aspekt: Ich erlebe Basale Kommunikation sehr nah bei Musik - Tanz - Meditation - Spiel - rhythmisch-musikalischem Gestalten. Auch deshalb fühle ich mich nicht so wohl, wenn nach überprüfbarer Wirksamkeit gesucht wird, wobei mir schon klar ist, dass es das Privileg meines Arbeitsfelds - der Heilpädagogik - ist, meist nicht nach Behandlungseinheiten mit Kostenträgern abrechnen zu müssen.

Was die Sitzposition angeht: Ich mag es am liebsten, wenn ich eine feste Lehne hinter mit habe (ein Gymnastikkeil ist ideal) und bei einem größeren Partner etwas erhöht sitze, der Partner mit dem Rücken an mich gelehnt zwischen meinen Beinen ("Schoßsitz" hat das mal jemand genannt - gefällt mir). Nachteil ist manchmal, dass man die Mimik des Partners nicht gut sieht (da hilft vielleicht ein großer Therapiespiegel), und dass bei einem Erwachsenen man die Beine oft nicht gut erreicht (das lösen Sie ja gut, wenn Sie zu zweit arbeiten - wobei es dann auf Ihre Abstimmung unter einander ankommt, was aber möglich ist).

Was TeilnehmerInnen meiner Kurse immer wieder erstaunt feststellen: Mal wirklich eine Weile gar nichts Konkretes/Aktives tun, ist oft verblüffend wirksam. "Weniger ist mehr!"

Ich bin auf jeden Fall für einen (selbst-) kritischen und reflektierenden Umgang mit derartigen Angeboten. Nur - ich erlebe Basale Kommunikation als so individuell und auch nicht scharf abgrenzbar z.B. von Basaler Stimulation, dass ich mir einen strengen, allgemeinen Wirksamkeitsnachweis kaum vorstellen kann. Es kommt so sehr auf die ganz feinen Umstände an, die m.E. die Wirksamkeit bedingen, und die sich fast nicht greifen lassen: Meine innere Haltung, die Stimmung, die ich vermittle, mein Umgang mit mir in meinem Körper, meine Sensibilität für feinste Regungen beim Partner...

(Nachtrag:) Inzwischen hatte ich Kontakt mit Andreas Zieger und kann nur empfehlen, seine Erfahrungen um Ungang mit Menschen im Wachkoma aufzugreifen. Im Internet: http://www.a-zieger.de/

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Frage:

Ich wollte schon so lange mal fragen, was Sie im ersten Kurs "Basale Kommunikation" für Musik dabei hatten. Es war eine Musik mit Klavier und einem Streichinstrument, viell. Cello, und ich meine, es war vielleicht Arvo Pärt? Falls Sie auch sonst vielleicht einfach so Tipps für Musik hätten, würde ich mich sehr freuen!

Antwort:

Es war die CD "Alina" von Arvo Pärt. Auf ihr gibt es zwei Stücke, eines für Klavier und Streichinstrument (Cello oder Violine), eines für Klavier allein. Das erste ist 3 mal, das zweite 2 mal auf der CD, in jeweils unterschiedlicher Interpretation.

Ich spiele derzeit häufig einfache Glockenspielklänge, die ich mit einem Programm (MindChimes) am PC erzeuge und auf CD brenne. Es klingt angenehm, aber es lenkt nichts ab. Das Programm gibt's als Vollversion für 20 EUR (oder Dollar?) bei MindChimes.

Es gibt eine Demo-Version mit beschränktem Funktionsumfang. Bei der Vollversion gehört noch "Ocean Songs" dazu, das Meeresbrandung simuliert, inkl. Möwen.

Ich habe auch eine CD mit Intrauteringeräuschen, die mit einem rhythmischen Rauschen (Herztöne) einfach den Raum füllt, ohne abzulenken.

Früher hab ich gern mal die CDs von Kitaro gehört. Sie (vor allem die älteren wie "Silk Road") zeichnen sich dadurch aus, dass der Grundrhythmus der Musik die ganze CD hindurch - bis auf Übergangsphasen - ziemlich gleich bleibt, so dass es beim Anhören keine groben Brüche gibt. Inzwischen habe ich sie aber einfach zu oft gehört, und auch der Stil passt mir nicht mehr so gut. Vor allem mit den neueren CDs von Kitaro kann ich nicht mehr so viel anfangen.

Nicht schlecht finde ich auch Kobialka, der Stücke bzw. Motive aus Klassik und Folklore aufgreift und auf eine getragene, "meditative" Art wiedergibt, allerdings mit einigem an elektronischer Bearbeitung. Man muss es mögen (oder nicht). Sie sind auch in Deutschland nicht einfach zu bekommen; ich hab mal ein paar in den USA bestellt, hatte aber Mühe mit der Bezahlung.

Bei meinen Kursen hab ich zu der Partnerübung am Abend ("Spaziergang durch den Körper") derzeit meist "Officium" von Jan Garbarek und dem Hilliard-Ensemble (mittelalterliche Vokalmusik mit Saxophon-Improvisation) und dann Lauten-Musik von John Dowland (Rennaisance) laufen. - Bei der Arbeit höre ich zur Zeit eben viel die Wind-Glockenspiel-Klänge oder einfach die CD mit intrauterinen Geräuschen. Neulich hab ich auch einen Vertrieb gefunden (Oreade in Holland), wo es reine Naturgeräusch-CDs gibt, völlig ohne Synthesizer-"Musik" dazu, was ja sonst bei "Meditations-CDs" fast zwanghaft kommt. Dort lohnt es sich, sich mal umzuschauen.

Zu dem neuen Snoezelen-Buch von Schwanecke im Lebenshilfe-Verlag gibt es eine Doppel-CD zu kaufen. Die Musik darauf ist musikalisch eher anspruchslos, aber sie stört auch nicht, füllt den Raum und lenkt kaum ab, und da die Stücke jeweils genau 30 min lang sind, hat man auch ein Zeitmaß, ohne auf die Uhr schauen zu müssen.

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Frage

Ich habe gestern endlich das Werkheft zur basalen Kommunikation zu Ende lesen können und wurde bei einem Satz an unsere Diskussion über Therapie oder Nicht-Therapie erinnert. Dort steht: "Sie (die Basale Kommunikation, Anm. von mir) kann bei entsprechender eigener Kompetenz für therapeutische Prozesse auch bei Menschen ohne Behinderung im Sinn einer intensiven-psychosomatischen Selbst- und Partnererfahrung eingesetzt werden, wobei es zu einer überraschenden Dynamik kommen kann, mit der verantwortlich umzugehen ist." Meine Frage diesbezüglich ist, wie schnell man möglicherweise auch unbewusst in eine therapeutische Schiene gerät, gerade bei der bewussten Beeinflussung des Atemrhythmus?

Antwort

Auch wenn Sie mit Ihrer Schwägerin oder Ihrem Nachbarn in ein Gespräch einsteigen, das auf aktuelle Probleme von ihr/ihm eingeht, kann dies - bewusst oder unbewusst - einem therapeutischen Prozess sehr nahe kommen, und Sie können sich dabei klug/geschickt/hilfreich oder auch ziemlich katastrophal verhalten. Ähnlich sehe ich es bei Begegnungen mit Basaler Kommunikation. Jemand, der z. B. selbst noch große eigene, ungestillte symbiotische Bedürfnisse hat, kann mit Hilfe dieser Umgangsweise zu einem behinderten Menschen in eine sehr dichte, vereinnahmende Beziehung treten, die beiden Seiten auf Dauer nicht gut tut und für das Gegenüber einen Übergriff und Missbrauch darstellt. Vermutlich geht das auf diesem Weg noch viel direkter, als es im pädagogischen Alltag auf andere Weise wohl ohnehin geschehen würde. Deshalb ist Ihre Vorsicht sicher begründet.

Andererseits - wie soll man damit umgehen? Man könnte jetzt die Schwelle sehr hoch hängen, ausgefeilte Voraussetzungen verlangen, Supervision usw. fordern, so wie es ja bei etlichen Therapierichtungen gemacht wird. Das hat aber auf der anderen Seite den Effekt, dass dann aus der Sache etwas sehr Elitäres wird, mit dem man sich abgrenzen und über das "gemeine Fußvolk" erheben kann. Und ob man dadurch wirklich qualitativ bessere Beziehungen gestaltet, ist noch lange nicht garantiert. Abgesehen davon, dass ich mich nicht in der Lage sehen würde, einen solchen "Apparat" aufzubauen und zu betreiben. Da bräuchte es eine Vereinigung, Ausbildungsgänge, Prüfungsverfahren, Zertifikate, DozentInnen, SupervisorInnen, usw., und das ist mir einige Nummern zu groß. Dann könnte man mit der Basalen Kommunikation wohl gleich einpacken.

Ich versuche, mit der Problematik so umzugehen:

  • Ich weise deutlich auf die genannten kritischen Aspekte hin und appelliere an die Selbstverantwortung der KursteilnehmerInnen.
  • Ich hoffe, dass bei einem Missbrauch dieser Umgangsweise kritische KollegInnen, Vorgesetzte oder Angehörige vor Ort sind, die dann korrigierend einschreiten können und dies hoffentlich auch tun (so wie es auch bei anderen Aspekten unserer Arbeit der Fall sein sollte).
  • Und dann hoffe ich, dass die betroffenen behinderten Menschen selbst zu erkennen geben, wenn ihnen dieses Angebot nicht hilft, sondern sie eher mehr behindert, indem sie z. B. die Zusammenarbeit verweigern, aggressiv werden oder sonst auffälliges Verhalten zeigen.

Mir ist klar, dies schafft keine Garantie, dass es nicht zu Missbrauch kommt. Diesen wird es vermutlich immer wieder geben, und damit müssen wir wohl leben, auch wenn wir nicht aufhören, dagegen vorzugehen. Wenn wir, um dies zu vermeiden, solche nahen Umgangsweisen völlig ausschließen, vergeben wir eben auch sehr große Chancen, dass etwas Gutes daraus entstehen kann.

Können Sie mit meiner Argumentation etwas anfangen? Ich bin sehr offen für eine Diskussion darüber und freue mich auch über eine kritische Antwort.

Rückantwort

Ihre Antwort zeigt mir, dass Sie die Frage bzw. Thematik ernst nehmen. Anhand Ihrer Argumentation lässt sich ebenso erkennen, dass Sie sehr verantwortungsbewusst damit umgehen. Sie sagen völlig richtig, dass wir leider im pädagogischen Alltag nie vor Missbrauch welcher Art auch immer gefeit sind.

Der Therapiebegriff ist zudem in der Heilpädagogik völlig inflationär gebraucht und daher von vielen Personen bzw. pädagogisch Arbeitenden unreflektiert übernommen worden. Ich stimme Ihnen aber völlig zu, dass Basale Kommunikation nichts Elitäres sein darf, da Kommunikation wichtiger Bestandteil der täglichen pädagogischen Arbeit ist und nicht in Extra-Stunden mit Fachpersonen aus dem Alltag abgekoppelt werden darf.

Basale Kommunikation muss im Alltag unserer Bewohner ansetzen. Gerade die Mitarbeiter im Gruppendienst sind diejenigen, die mit den ihnen Anvertrauten in Kontakt kommen müssen und dafür sämtliche Unterstützungsmöglichkeiten zum Aufbau von Kontakt nutzen können sollten.

Wichtiger Bestandteil jeglicher Pädagogik sollte zudem immer die Selbstreflexion sein. Hierzu kann man die meisten Mitarbeiter nur anregen oder mit ihnen ins Gespräch gehen. Ob diese Selbstreflexion kritisch geschieht und ob davon etwas in das künftige pädagogische Handeln übernommen wird, darauf haben letztliche Sie und ich leider keinen Einfluss.

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Frage

Beim Studium des Konzeptes der Basalen Kommunikation ist bei mir die folgende Frage aufgetaucht: In einigen Quellen geben Sie an, dass in den verschiedenen sensomotorischen Lebensweisen auch andere Interventionsmöglichkeiten zur Anwendung kommen "sollten". So im Text Sensomotorische Lebensweisen - Was heißt das eigentlich: "geistig behindert"?, erschienen in: Behinderte in Familie Schule und Gesellschaft (2004). Dort wird am Ende jeder Lebensweise auf z. B. Physiotherapie, basale Stimulation etc. verwiesen. Ist dieser Verweis so zu verstehen, dass Basale Kommunikation "eigentlich" nur das passende Konzept für die ersten beiden Lebensweisen darstellt? Für mein Verständnis nutzt Basale Kommunikation mit dem Ziel einer zufriedenstellenden Kommunikation bei jeder der beschriebenen Lebensweisen andere Kommunikationsmittel (in Anbhängigkeit von den Ausdrucks und Erlebensmöglichkeiten des Klienten. Und damit ist Basales Kommunizieren auch in der siebten Lebensweise noch ein sinnvolles Angebot. Korrekt?

Im Buch Kommunikation ohne Voraussetzungen (6. Auflage) kommen solche Hinweise auf ergänzende? alternative? angemessenere? Konzepte nicht vor.

Antwort

Danke für Ihre Zuschrift - Sie haben meine Texte offensichtlich gründlich studiert, das freut mich! Ich will mal eine Antwort versuchen:

Die Themen, die in der Basalen Kommunikation angesprochen werden, sehe ich tatsächlich vor allem in den untersten drei Sensomotorischen Lebensweisen (Sicherheit-Vertrauen - Vitalfunktionen - Sich im Körper erleben). Nur ist es ja nicht so, dass diese Themen bei den aufbauenden Lebensweisen keine Rolle mehr spielen würden. Ja, sie sind selbstverständlich auch für nichtbehinderte Erwachsene immer noch tragende Grundlage, und je nach Lebenssituation geraten sie auch schnell wieder in den Vordergrund. Deshalb können auch nichtbehinderte Menschen von Basaler Kommunikation auf tiefe Weise "profitieren".

So, wie ich Basale Kommunikation verstehe, sind ihre "Inhalte" und "Kommunikationsmittel" (Atemrhythmus, Körperkontakt, Bewegung, Stimme, …) vor- bzw. nicht-intentional, d. h. sie vermitteln nicht eine spezifische, ebenso in Worte zu fassende "Botschaft", mit der etwas erreicht werden soll, sondern das Erleben selbst ist schon die Botschaft. Sobald eine Intention dazu kommt, etwas (ein Inhalt, eine Botschaft) mitgeteilt werden soll, würde ich es nicht mehr "basal" (= voraussetzungslos) nennen.

Insofern ist Basales Kommunizieren auch in der siebten Lebensweise (Sich mitteilen und einfühlen) noch ein sinnvolles Angebot, als ein Mensch nicht einfach "in der siebten Lebensweise" lebt, sondern auf der Basis der darunter liegenden sechs Lebensweisen daran gehen kann, die Themen der siebten Lebensweise zu aktualisieren, sie zu leben. Vor allem bei vorliegenden frühen Traumata kann es sehr sinnvoll sein, ihm - soweit er sich darauf einlassen kann - auch dann noch zur Festigung seines "Fundaments" Basale Kommunikation anzubieten. - Wenn also jemand Verhalten zeigt, das sich der siebten Lebensweise zuordnen lässt, ist das sicher kein Grund, Basale Kommunikation als hilfreiches Angebot auszuschließen, vor allem nicht (und nur so weit ist es möglich umzusetzen), wenn die Person selbst das für sich als hilfreich erlebt.

Für mein Buch (6. Auflage) sah ich den Zusammenhang zwischen den Sensomotorischen Lebensweisen und anderen Handlungskonzepten noch nicht so deutlich. Falls es eine 7. Auflage gibt, kann sich das ändern…

Frage

Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Sie hat mir insofern geholfen, da sie mich (als "nicht-Praktiker") nochmals auf den nichtintentionalen Bereich der Kommunikation verwiesen hat. Ein Bereich, den ich mir nur schwer vorstellen kann.

Bei autistischen Menschen allerdings vermute ich per se eher eine Intention und verstehe "in den Haaren ziehen" z. B. als Versuch, eine Wirkung zu erzielen oder seinen "Unmut" seine Unsicherheit oder ähnliches mitzuteilen.

Etwas verwirrend finde ich schon, dass das Angebot der Basalen Kommunikation eher auf die unteren Etagen passt, wo Sie doch genauso ausführlich auf die oberen Etagen eingehen.

Antwort

Wenn ein Baby auf die Welt gekommen ist, "weiß" es noch nicht viel über Kommunikation, darüber, dass es mit gezielten Äußerungen etwas von der Umwelt erreichen könnte. Es muss erst einmal überhaupt lernen, dass es mit der Umwelt (= Menschen) in wechselseitigen Kontakt geraten kann ("Assimilation-Akkommodation"). Das lernt es, weil die anderen Menschen (v. a. die Mutter) auf das Kind so reagieren, als ob es ihnen etwas "sagen" möchte. Beispiel: Das Kind (im 1. Monat) schreit aus Unlust - die Mutter kombiniert, dass es Hunger haben dürfte, und legt es an die Brust - das Kind erfährt: Auf mein Schreien erfolgt eine (hoffentlich) passende Antwort - ich bekomme zu essen (Thema Vitalfunktionen). Bald darauf (spätestens mit ca. 8 Monaten) "weiß" es: Wenn ich Hunger habe, muss ich schreien, dann gibt es etwas zu essen (Thema Erleben der eigenen Wirksamkeit). Und noch später (mit ca. 11 Monaten) findet es einen Laut ("ham-ham"), mit dem es der Mutter mitteilt, dass es zu essen haben möchte (Thema Sich einbringen und teilhaben). Oder: Das Kind kommt abends nicht zur Ruhe und kann nicht einschlafen, obwohl es übermüdet ist, und schreit und quengelt. - Die Mutter "beantwortet" sein Verhalten, indem sie das Kind auf den Arm nimmt, herumträgt, es wiegt, dazu singt. - Das Kind erfährt wieder, dass die Antwort passt, und bildet die Vorstellung aus, dass es in Unlustzuständen hilft, den Körperkontakt zur Mutter zu suchen. Das ist mit "vor-intentionaler" Kommunikation gemeint: Das Kind hat erst einmal noch keine Vorstellung davon, was es mit seiner Kommunikationshandlung erreichen könnte, es verfolgt keine gezielte Absicht (= Intention). Das betrifft vor allem das erste Halbjahr des Lebens; mit ca. 8 Monaten reift die Fähigkeit, die eigene Wirksamkeit zu erleben; mit ca. 11 Monaten ist die erwähnte Vorstellung ausgebildet, und das Kind beginnt, "intentional" zu kommunizieren, hat dafür auch bald differenziertere Mittel (v. a. Sprache).

Stellen Sie sich vor, Sie sind schwer krank, liegen auf Intensivstation und haben große Schmerzen, sind aber nur halb bei Bewusstsein, können deshalb nicht sagen, dass Sie Schmerzen haben. Wenn Sie jetzt stöhnen, schwitzen, sich hin und her wälzen, erkennt die Krankenpflegekraft, die sich um Sie kümmert, dass Sie große Schmerzen haben dürften, und erhöht die Dosierung des Schmerzmittels. Wenn Sie dann ruhig werden und einschlafen, schließt sie daraus, dass ihre "Antwort" gestimmt hat. Auch da kommunizieren Sie auf nicht-intentionale Weise. - Oder rufen Sie sich Interaktionssequenzen mit einem Liebespartner in Erinnerung…

Bei autistischen Menschen, die ich im Umfeld "geistige Behinderung" kennen gelernt habe, habe ich oft erlebt, dass das Erleben der eigenen Wirksamkeit (= seriale Wahrnehmung, das sensomotorische Thema vor der intentionalen Wahrnehmung) vorhanden ist und ihr Verhalten (z. B. Haare reißen) in diesem Zusammenhang verstanden werden kann. Z. B.: "Wenn ich die Übersicht verliere und Stress habe, reiße ich jemanden an den Haaren, dann werde ich meine Spannung los und ich weiß, was danach kommt, und habe wieder Kontrolle über die Situation." Hier steht nicht im Vordergrund: "Ich will dir etwas mitteilen und lege Wert darauf, dass du mich verstehst.", sondern eher: "Ich will meine Spannung reduzieren und die Kontrolle über die unübersichtliche Situation wiedergewinnen, und dieses Vorgehen hat sich bewährt." Insofern stimme ich dem Deutungsaspekt "Wirkung erzielen" zu, habe aber Fragezeichen, was die Mitteilungsabsicht angeht. Das ließe sich sicher anhand eines konkreten Beispiels noch differenzierter diskutieren.

Ihre Verwunderung, warum ich so ausführlich auf die "oberen" Etagen eingehe, verstehe ich nicht ganz. Das Konzept "Basale Kommunikation" und das Konzept "Sensomotorische Lebensweisen" stehen ja in verschiedenem Zusammenhang. "Basale Kommunikation" bietet ein Handlungskonzept an, um voraussetzungslose Wechselseitigkeit erleben zu lassen, da wo das passend ist. "Sensomotorische Lebensweisen" sieht sich als Verständniskonzept für die Grundthemen menschlicher Entwicklung und hat dabei alle Menschen im Blick, insbesondere diejenigen, die man mit der Bezeichnung "geistig behindert" belegt. Konnte ich etwas klären? Das würde mich freuen.

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Frage

Im Rahmen meines Studiums beschäftige ich mich mit Ihrem Ansatz der Basalen Kommunikation. Daher meine Frage: Worin liegt der Unterschied zwischen dem Somatischen Dialog (Andreas Fröhlich), dem Tonischen Dialog (Wolfgang Praschak) und der Basalen Kommunikation? Wo liegen Gemeinsamkeiten?

Antwort

"Somatischer Dialog" ist ein Begriff von Andreas Fröhlich innerhalb seines Konzeptes der Basalen Stimulation. Hier sind drei Links mit näheren Erläuterungen:

Im Internet finden Sie noch mehr Infos dazu.

Bezogen auf das Verhältnis Basale Stimulation und Basale Kommunikation finden Sie oben vielleicht eine Teilantwort. Zum selben Thema dieses hier, als Einschätzung aus meiner Sicht:

Gemeinsamkeiten

  • Es wird keine Grenze nach „unten“ gezogen, ab welchem Entwicklungsstand ein Engagement möglich ist.
  • Kommunikation wird als zentraler Aspekt von Menschsein betont, den es zu stützen und zu fördern gilt.
  • Der beeinträchtigte Mensch wird als Subjekt gesehen, das es in seiner Individualität liebevoll ernst zu nehmen gilt.
  • Es wird die Vermittlung wirklich bedeutungsvoller Erfahrungen angestrebt.
  • Es geht darum, Entwicklung zu ermöglichen.

Folgende Aspekte werden vom Konzept der Basalen Kommunikation besonders betont:

  • Wechselseitigkeit als Grunddynamik jeden Lernens soll un-bedingt erlebt werden können. Kooperationsbereitschaft / -fähigkeit wird nicht  - auch nicht implizit - vorausgesetzt.
  • Basale Kommunikation will die Erfahrung vermitteln: „Es ist gut, dass du da bist – so wie du bist.“ als Ausgangspunkt jeder (päd-) agogischen Interaktion. Es wird jeder Anspruch vermieden, dass das Gegenüber sich verändern bzw. entwickeln soll. Es geht viel mehr um eine Haltung der "Einladung".
  • Absichtslosigkeit der Begegnung: Inhalte können von spielerischer „Wohlfühl-Begegnung“ bis zur therapeutischen Bearbeitung schwieriger Themen wie Ambivalenz, Trauer, Aggression, Rückzug reichen. Das hängt ab vom Setting wie von der persönlichen und fachlichen Qualifikation des Anwendenden. Es wird darauf vertraut, dass das Gegenüber selbst mitbestimmt, was Thema wird.
  • Eine Haltung der unbedingten Offenheit und Intuition ist wichtiger als Ausbildung; mit zunehmender Qualifikation kann sich das Potenzial der Basalen Kommunikation vergrößern.
  • Basale Kommunikation greift gezielt die "basalen" Themen menschlichen Lebens auf (siehe mein Konzept der "Sensomotorischen Lebensweisen“):
    • Einheit - Sicherheit - Vertrauen ("Es ist gut, dass du da bist - du bist in Sicherheit geborgen.")
    •  Sicherung der Vitalfunktionen (v. a. psychische Bedürfnisse: Beruhigung, Trost, Körperkontakt, Entspannung)
    •  Sich angenehm im Körper / in Bewegung erleben (im Kontakt mit einem anderen Menschen)
  • Basale Kommunikation konzentriert sich methodisch auf die Vermittlung basaler Wechselseitigkeit
  • Lerninhalte und -ziele entwickeln sich kooperativ:
    • Was mit einander getan wird, entwickelt sich aus der Interaktion.
    • Lernziele konkretisieren sich im Laufe der Zeit aus den erlebten Bedürfnissen des Gegenübers heraus.
    • Das Gegenüber ist der Akteur seiner Entwicklung, Lernen kann nicht gemacht werden.
  • Hintergrundkonzept der Basale Kommunikation ist die Hierarchie der Lebensthemen (Sensomotorische Lebensweisen - weiterentwickelt aus Piagets Aussagen zur sensomotorischen Grundlage der Intelligenzentwicklung).
  • Basale Kommunikation versteht sich ausdrücklich nicht als abgegrenzte "Methode", sondern als Möglichkeit zur Gestaltung von Wechselseitigkeit, die in verschiedenste Situationen einfließen kann. Einzelne Begegnungen lassen sich nicht vorweg planerisch gestalten, sondern entwickeln sich im aktuellen Geschehen (siehe auch meine Veröffentlichungen zum Thema).
  • Basale Kommunikation versteht sich eher als „musische“ Herangehensweise: Spielerisch, offen, kreativ, spontan, möglichst lustbetont, fehlertolerant; Nähe zu Tanz, Musik, Rhythmik. Kein Arbeitscharakter.

Diese Aspekte lassen sich großteils auch in anderen Konzepten wie der Basalen Stimulation verwirklichen. Je mehr das geschieht, um so näher werden sich beide Konzepte sein. Die Erfahrung zeigt aber immer wieder - vor allem bei ausbleibender Praxisanleitung - dass in der angeblichen Anwendung von Basaler Stimulation dann doch primär die technischen und materiellen Aspekte (das "richtige" Vorgehen, die "richtigen" Materialien) in den Vordergrund geraten und die Bedeutung von Begegnung und Kommunikation verloren geht. Das scheint mir bei der Basalen Kommunikation kaum möglich, denn sie wird dann ganz offensichtlich nicht "funktionieren".

Zu Wolfgang Praschaks Konzept des "Tonischen Dialogs" habe ich hier eine recht ausführliche Darstellung gefunden. Machen Sie sich selbst ein Bild. Nach meinem Eindruck ist die Intention dabei sehr ähnlich wie bei Fröhlich und mir, aber in den fachlichen / methodischen / terminologischen Zusammenhang von Wolfgang Praschak eingebettet.

Wo sich sowohl das Konzept des Tonischen Dialogs wie des Somatischen Dialogs von meinem Konzept der Basalen Kommunikation unterscheiden, ist die Art und Weise, ob und wie der Atemrhythmus in seiner ganzen Lebendigkeit als Begegnungsebene wahrgenommen und genutzt wird, inspiriert vom Konzept der Funktionellen Entspannung. Ansonsten hat natürlich jedes der Konzepte seine eigene Entstehungsgeschichte und ist so auch mit der jeweiligen Persönlichkeit und dem fachlichen Hintergrund der drei Urheber verbunden, bei allen Gemeinsamkeiten vor allem in der Intention, die ihnen zu eigen sind.


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